„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21)
Es gibt Wunden, die tief sitzen. Ein verletzendes Wort, ein Vertrauensbruch, erfahrene Ungerechtigkeit. Manchmal wächst daraus der Wunsch, es dem anderen heimzuzahlen. Wir möchten, dass er spürt, was er uns angetan hat. Doch wer sich von Rache bestimmen lässt, wird leicht selbst zum Gefangenen des Bösen, das er eigentlich bekämpfen möchte.
"Das Böse soll überwunden werden, aber nicht mit eigenen Mitteln"
Paulus weist uns einen anderen Weg. Er sagt nicht: Lass dir alles gefallen! Er sagt auch nicht: Das Böse ist nicht so schlimm. Nein, das Böse soll überwunden werden. Aber nicht mit seinen eigenen Mitteln. Nicht durch Hass, Vergeltung und neue Verletzungen, sondern durch das Gute.
Dem Unrecht nicht das letzte Wort überlassen
Das klingt leichter, als es ist. Denn wenn wir verletzt worden sind, fällt Vergebung oft schwer. Sie bedeutet nicht, Unrecht zu verharmlosen oder Vertrauen blind wiederherzustellen. Vergebung bedeutet vielmehr, dem Unrecht nicht das letzte Wort zu überlassen. Wir verzichten darauf, selbst Richter und Rächer zu sein, und vertrauen darauf, dass Gott gerecht richtet.
"Er lädt uns ein, unsere Lasten bei ihm abzulegen"
Das Kreuz Jesu zeigt uns, wie weit Gottes Liebe geht. Jesus hat die Spirale von Gewalt und Vergeltung durchbrochen. Er hat seinen Feinden nicht mit Hass geantwortet, sondern mit Liebe. In ihm begegnet uns eine Kraft, die stärker ist als unsere Bitterkeit. Er lädt uns ein, unsere Lasten bei ihm abzulegen und einen neuen Anfang zu wagen.
„Man kann keine größere Tat vollbringen, als seinem Feind zu helfen!“
Eine alte Geschichte erzählt von einem Vater, der einem seiner drei Söhne einen kostbaren Edelstein schenken wollte. Jeder sollte von einer großen Tat berichten. Der jüngste Sohn erzählte, wie er seinen größten Feind vor dem tödlichen Sturz in eine Schlucht bewahrt hatte. Der Vater gab ihm den Edelstein. Denn, so sagte er: „Man kann keine größere Tat vollbringen, als seinem Feind zu helfen!“
Vielleicht können wir auf ein hartes Wort verzichten
Vielleicht liegt darin eine Herausforderung für diese Woche: dem Menschen, der uns verletzt hat, nicht mit gleicher Münze heimzuzahlen. Vielleicht können wir auf ein hartes Wort verzichten, einen ersten Schritt zum Frieden wagen oder für jemanden beten, mit dem wir uns schwertun. Wir müssen das nicht aus eigener Kraft schaffen. Christus geht diesen Weg mit uns.
Lass Gottes Güte stärker werden als deinen Groll
Lass dich nicht vom Bösen überwinden. Lass Gottes Güte stärker werden als deinen Groll. Denn wo wir dem Bösen nicht das letzte Wort lassen, kann Neues wachsen: Frieden, Freiheit und Versöhnung.
Johannes Drechsler, Pfarrverwalter in Ausbildung
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