Aufgefressen von Sorgen. Schlaflose Nächte, die unsere Probleme nicht lösen, sondern uns nur erschöpfen. Wer kennt das, wenigstens ab und an, nicht?
"Schäfchenzählen hilft nicht"
„Mach dir keine Sorgen!“ – ein gut gemeinter Rat. Aber wie soll das gehen? Wie kann ich einen Menschen, der mir nahesteht, von seiner Angst und Sorge befreien? Und bei mir selbst ist es nicht anders. Wie finde ich in solchen „Sorgenächten“ in den Schlaf? Schäfchenzählen hilft nicht.
Wie soll es weitergehen? Was wird morgen sein?
„Sorgenächte“ – ein Problem so alt wie die Menschheit. Reisen wir darum 2000 Jahre zurück. Der Verfasser des 1. Petrusbriefes schreibt Christen in Kleinasien, in der heutigen Türkei. Sie leben als religiöse Minderheit, erfahren Ablehnung, Unsicherheit und Bedrängnis. Auch sie liegen nachts wach. Im Kopf kreisen die Fragen: Wie soll es weitergehen? Was wird morgen sein?
„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“
Petrus ist weit weg. Er kann ihre Situation nicht verändern. Er kann ihnen die Angst nicht aus dem Herzen nehmen. Was kann er tun? Er kann ihnen schreiben. Und er schickt ihnen einen Satz: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“
"Und doch sind Worte vielleicht eines der stärksten Mittel"
Ein Zyniker könnte sagen: „Auch nur Worte.“ Und doch sind Worte vielleicht eines der stärksten Mittel, das Menschen wie Petrus haben, um andere Menschen zu erreichen – um uns zu erreichen.
"Ein Satz, der uns gerade in der Unruhe der Nacht erreichen will"
Unsere Sorgen sind wie Gepäckstücke, die wir mit uns herumtragen. Manche werden wir wieder los. Andere schleppen wir jahrelang mit uns herum. Wir wissen, dass sie uns belasten – und können sie trotzdem nicht einfach ablegen. In dieses mühsame Leben schreibt Petrus: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ – ein Satz, der uns gerade in der Unruhe der Nacht erreichen will.
Was für ein starkes Bild
Im griechischen Wort für „Werft“ steckt die Vorstellung, eine Last auf einen anderen zu legen. Was für ein starkes Bild! Vielleicht ist genau das Beten: meine Sorge bei Gott abzulegen – und sie immer wieder neu auf ihn zu werfen.
"Der längste Weg der Welt ist der Weg vom Herzen zur Hand"
Ich frage meine Schülerinnen und Schüler manchmal: „Was ist der längste Weg der Welt?“ Sie denken an Entfernungen, an Kontinente, an Tausende von Kilometern. Ich sage: Der längste Weg der Welt ist der Weg vom Herzen zur Hand. Der Weg vom Inneren zum Äußeren. Von der Einsicht zur Veränderung. Vom Wissen zum Vertrauen.
"Petrus ruft mich in eine innere Bewegung"
Der Satz des Petrus setzt mich in Bewegung. Ich mache mich auf den längsten Weg der Welt. Petrus nimmt mir die Sorge nicht einfach weg – wie könnte er? Aber er ruft mich in eine innere Bewegung: „Werfe deine Sorgen auf den Herrn! Warum? Weil er für dich sorgt!“
"Vom unruhigen Zweifeln zum Vertrauen"
Vielleicht ist die Sorge danach noch da. Vielleicht bleibt die Nacht unruhig. Aber ich trage sie nicht mehr allein. Ich bitte Gott, sie mitzutragen. Mit meinem besorgten Herzen mache ich mich auf den Weg zu Gott – auf den Weg vom Festhalten zum Loslassen, vom unruhigen Zweifeln zum Vertrauen. Auf den Weg, mein besorgtes Herz bei Gott zur Ruhe kommen zu lassen.
"Vielleicht ist genau das Glauben"
Und wenn die Sorge wiederkommt? Dann mache ich mich wieder auf den Weg. Ich werfe meine Sorge auf den Herrn. Immer wieder. Vielleicht ist genau das Glauben.
Dr. Lutz Meyer, Pastor und Schulseelsorger in Cuxhaven
Urlaubergottesdienst: Sorgen werfen für Anfänger und Fortgeschrittene, Duhner Kapelle
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