Jeden Abend treffen sie sich an einer Bank auf dem Deich beim Gassigehen mit ihren Hunden. Zwei Männer, nach Feierabend, um Gedanken auszutauschen über Gott und die Welt. Ihre Hunde haben sie zusammengeführt. Ein Schäferhund und ein Dackel, die sich anfangs nur angekläfft haben, ebenso wie ihre Herrchen. Gegensätzlicher könnten sie nicht sein, die Hunde nicht und ihre Herrchen auch nicht. Doch dann haben sie angefangen, sich näher zu beschnüffeln.
"Bist du nur der andere, der mir in die Quere kommt?"
Wer bist Du eigentlich? Bist du nur der andere, der mir in die Quere kommt? Den ich nicht riechen kann? Der zur falschen Zeit an dem Ort ist, den ich für mich brauche? Der mir als Blitzableiter dient für meine angestauten Aggressionen? Oder wer bist Du wirklich? Ein böser "Hund"? Oder ein Mensch, den es näher kennenzulernen lohnt?
"Heute weiche ich dem mit dem Schäferhund nicht aus"
"Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“ heißt es in Psalm 68. Na also, dachte Peter eines Abends. Heute weiche ich dem mit dem Schäferhund nicht aus. Ich warte auf einer Bank, bis er vorbeikommt. Als der andere kommt, sagt Peter freundlich: "Moin!" Der Angesprochene schaut überrascht auf, nickt Peter wortlos zu und geht weiter. Die Hunde bleiben ruhig.
Dackel hat es sich unter der Bank schon gemütlich gemacht
Als Peter am nächsten Abend zur Bank kommt, ist sie besetzt. Der Schäferhund liegt im Gras. Peter bleibt stehen: "Schöner Abend heute!" Der andere schnaubt: "Mir reicht‘s für heute!“ Und dann freundlicher: „Hier ist noch Platz!" Peter zögert, doch sein Dackel hat es sich unter der Bank schon gemütlich gemacht in sicherem Abstand zum Schäferhund. Peter setzt sich: "Mein Tag war auch bescheiden. Ich heiße übrigens Peter. Mein Dackel Paul ist ja schon bekannt." "Klaus", sagt der andere und zeigt auf seinen Schäferhund: "Karl der Große!"
Politisch liegen Welten zwischen ihnen, doch sie reden darüber
Seitdem treffen sie sich und sind nach und nach näher zusammengerückt. Nicht, was ihre Meinungen anbelangt. Da fetzen sie sich kräftig. Politisch liegen Welten zwischen ihnen. Was der eine gut findet, regt den anderen auf. Doch sie reden offen darüber, auch für welche Partei sie ihre Kreuze machen. Mit Kirche, "diesem verstaubten Laden", kann Klaus gar nichts anfangen. Peter erzählt von seinem Ehrenamt.
Jeder lernt das Leben des anderen besser kennen
So bekommt Klaus Einblick, wieviel bei Kirche los ist und was da alles an Sozialarbeit getan wird. Peter lernt durch Klaus die Sorgen aus dem Einzelhandel kennen. Immer zu wenig Personal. Ständig muss Klaus einspringen. Die Gewinnspanne wird immer geringer. Und familiär, na, da geht’s bei beiden oft hoch her. Gut, mal rauszukommen an die frische Luft!
Auch die Hunde sind zusammengerückt
Beide wollen auf diese Feierabendgespräche nicht mehr verzichten. Ja, sie sind zusammengerückt. „Durch Gottes Hilfe!“ sagt Peter. "So'n Quatsch!" hält Klaus dagegen, "Peter ist eben ein feiner Kerl, auch wenn sein Dackel ein kleiner Kläffer ist." Dabei lächelt er verschmitzt und tätschelt "Karl den Großen" freundlich. Der stupst Dackel Paul an. Auch die Hunde sind zusammengerückt.
Pastorin Maike Selmayr, Ev. Urlauberseelsorge Cuxhaven
Musikgottesdienst für Jugendliche und Junggebliebene in der Martinskirche Ritzebüttel
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Gottesdienst "Politisch Predigen" mit Eva Viehoff, MdL in Oberndorf
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