Auf dem Otterndorfer Kirchplatz bleibt mein Blick hängen: der Utröper, Jürgen Schwanemann. Mit Schelle und Stimme. Er ruft, und die Stadt hält kurz inne. Köpfe drehen sich, jemand lacht, ein anderer nickt. Neuigkeiten, Döntjes, Einladungen. Menschen bleiben stehen, hören einen Moment zu, gehen weiter, ein Wort reicher.
Und plötzlich denke ich an Jesus. Nicht wegen der Schelle, sondern wegen der Bewegung: immer unterwegs. Von Dorf zu Dorf, von Mensch zu Mensch, mit einer Botschaft, die trägt. „Lasst uns in die nächsten Orte gehen, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen“, heißt es im Markusevangelium. (Mk 1,38)
„Aber eigentlich sind wir alle gefragt“
Braucht Kirche nicht genau das? Aus Gottesdiensten in Gebäuden hinaus ins Leben: Mit Worten und Taten. Unsere Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone – und ebenso Lektorinnen und Lektoren, Prädikantinnen und Prädikanten – tun es auf je eigene Weise: Mit Herz und Verstand. Und mehr noch: Diakonie ist das Gesicht der Kirche, wo sie Menschen nahekommt. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus im Matthäusevangelium, „es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.“ (Mt 5,14)
„Vielleicht fängt es kleiner an…“
Das klingt groß. Ehrlich gesagt: Manchmal ist es mir zu groß. Ich bin nicht jeden Tag eine Predigt. Und muss es auch nicht sein. Vielleicht fängt es kleiner an: ein Telefonat, das ich lange schon aufschiebe. Ein „Wie geht’s dir wirklich?“ vor der Bäckerei. Ein Danke an all jene, die sonst keiner sieht. Ein Gebet auf dem Fahrrad. Ein Vers, der bleibt. Worte und Werke.
„Die frohe Botschaft will unterwegs sein“
Der Utröper erinnert mich: Die frohe Botschaft will unterwegs sein. Deshalb gehe ich diesen Weg weiter – bewusst, gerade in dieser Zeit. Mit meinen Worten. Mit meinen Händen. So gut ich kann.
Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln
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